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Women in Tech - Interview mit Frederike Busch

Posted on July 30, 2019

Das Informationsportal JAXenter stellt in der Artikelserie „Women in Tech“ regelmäßig inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Mit dabei: Unsere Marketingleiterin Frederike Busch.

Frederike Busch, oder kurz Frieda, ist Marketingleiterin bei esome. In dieser Position verantwortet sie die Unternehmenskommunikation, Markenstrategie sowie Eventplanung des 2015 in Hamburg gegründeten Digital und Media Outcome Managers.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Der erste Kontakt mit Tech entstand im Studium. Ich bin eher zufällig im Studiengang „Technische BWL“ gelandet und fand das Konzept, BWL und Marketing mit Themen wie Wirtschaftsinformatik, Werkstoffkunde und -verarbeitung, Konstruktion etc. zu ergänzen, sehr spannend. Was mich in den Vorlesungen zu Wirtschaftsinformatik begeistert hat, war die Logik, die über allem steht und die Tatsache, dass man alles, was man öffnet, auch wieder schließen muss. Der Einblick in solche Themen und die Systematik dahinter hilft mir noch heute im Arbeitsalltag.

Mein Weg zum jetzigen Job war gepflastert mit Zufällen, einer Portion Glück und Offenheit. Nachdem ich im 12. Schuljahr Studiengänge wie Ökotrophologie und Innenarchitektur in Betracht gezogen hatte, bewarb ich mich schlussendlich an mehreren Unis für Psychologie, bekam aber nirgendwo einen Platz. Hinreichend orientierungslos zog ich ein paar Monate nach dem Abitur erstmal auf blauen Dunst nach Hamburg. Um die Zeit bis zum Wintersemester zu überbrücken, in dem man sich für weit mehr Studiengänge einschreiben konnte als zum Sommersemester, begann ich ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing und Technik. Dieses „Überbrückungsstudium“ gefiel mir dann so gut, dass ich es nicht nur beendete, sondern sogar noch einen Master dranhing. Während der Studienzeit habe ich in den unterschiedlichsten Jobs Erfahrungen gesammelt: Ich war Tutorin, Kellnerin, Hutverkäuferin und Werkstudentin in einem B2C-Start-Up, bei einem B2B-Mittelständler und bei einem Konzern im Bereich Medizintechnik. Im Bewerbungsprozess nach dem Masterabschluss war erneut eine Absage ausschlaggebend für meinen weiteren Weg: Ich hatte mich bei einer Mediaagentur beworben, die zwar meine Bewerbung interessant, aber meinen Lebenslauf nicht passend für die Stelle fand, auf die ich mich beworben hatte. Das war mein Glück, denn sie stellten daraufhin die Verbindung zu esome her und das war Liebe auf den ersten Blick! Ich fing drei Monate nach der offiziellen Gründung von esome als Kampagnenmanagerin und Kundenbetreuerin an, konnte mich jedoch mit den Geschäftsführern darauf einigen, dass ich einen Teil meiner Zeit in das Unternehmensmarketing von esome investiere, welches damals, so kurz nach der Gründung, noch nicht aktiv betreut wurde. So kam ich nach und nach immer mehr in das Thema, das ich heute Vollzeit betreue und in dem ich mit drei großartigen Kolleginnen und einem unserer Geschäftsführer an vielen spannenden Projekten arbeite. To make a long story short: Ich habe nie einen festen Karriereplan verfolgt, sondern Gelegenheiten beim Schopfe ergriffen, wenn sie sich boten und dabei auf mein Bauchgefühl gehört – und darüber bin ich heute sehr glücklich.

Ein Tag in Friedas Leben

Ich leite das Unternehmensmarketing bei esome, einem Unternehmen, das mittels einer proprietären Technologie den Zugang zu allen sozialen Netzwerken sowie programmatischen Inventaren harmonisiert und diesen Zugang für die Aussteuerung ergebnisgetriebener Werbekampagnen in den entsprechenden Umfeldern nutzt. Mein Verantwortungsbereich umfasst die Steuerung der Marketingkommunikation (PR, Content Marketing, Events, Social, Website) sowie zunehmend auch das strategische Marketing für esome. Normalerweise wird mein Alltag von der Planung der kommunikativen Themen und dem Sparring mit meinen Kolleginnen bestimmt, die diese Themen operativ umsetzen. Kürzlich haben wir im Rahmen einer Repositionierung die Marke esome neugestaltet – ein nicht alltägliches Projekt, das ich leiten durfte und das einen Großteil meiner Zeit eingenommen hat.

Vorbilder und Förderer

Personen, die mich unterstützt haben, gibt es in großer Zahl! Von Lehrern, Professoren und Chefs über Trainer und Chorleiter bis hin zu Kollegen, Freunden und meiner Familie, könnte ich zig Leute aufführen, von denen ich gelernt habe und die mich gefordert und gefördert haben. Ich schätze mich sehr glücklich, viele solcher Personen in meinem Leben zu haben und habe mir viele von ihnen zum Vorbild genommen.

Mein größtes Vorbild ist aber meine beste Freundin, die mir immer wieder zeigt, dass wahre Lebensfreude sich auch von noch so vielen Rück- und Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt. Außerhalb meines sozialen Umfelds verfolge ich gerade begeistert die Arbeit von Brené Brown, einer Forscherin aus den USA, die sich mit dem Zusammenspiel und den Auswirkungen unserer Gefühle beschäftigt, besonders mit Scham und Verletzlichkeit. Ihre Forschung findet sogar im Bereich Tech Anwendung: Brown wurde von diversen Unternehmen aus dem Silicon Valley angeheuert, die die Innovationskraft und Kreativität ihrer Mitarbeiter beflügeln wollten und dafür lernen mussten, dass beides nur dann entstehen kann, wenn Mitarbeiter bereit sind, sich verletzlich zu machen.

Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Nein! Ich glaube, jeder Mensch begegnet in seinem Leben herausfordernden Situationen, aber ich glaube die wenigsten davon wurden aktiv von jemandem geschaffen, um jemand anderen aufzuhalten. In meinem Werdegang gab es viele Situationen, die mich gebremst oder zu Umwegen gezwungen haben, doch ich bin über jede einzelne froh, denn sie haben mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin.

Worauf bist du in deiner Karriere besonders stolz? Hast Du vielleicht selbst schon einmal etwas in entwickelt?

Wenn wir von „entwickeln“ im Sinne des Programmierens sprechen, erinnere ich mich an ein Uni-Projekt, in dem wir eine Website gebaut haben, aber das ist alles andere als berichtenswert. Interessanter ist jedoch die Entwicklung unserer neuen Marke: esome ist 2014 als ein Social Advertising Spezialist gestartet, der mithilfe einer eigenen Technologie harmonisierten Zugang zu den Werbemöglichkeiten der sozialen Netzwerke geschaffen hat. In den folgenden Jahren haben wir nicht nur unser Inventar-Portfolio über die sozialen Netzwerke hinaus erweitert, sondern auch unsere Perspektive auf digitales Marketing geändert. Programmatische Werbeumfelder bieten die idealen Voraussetzungen, um Kampagnenziele zu verfolgen, die über Impressionen und Clicks hinaus gehen und einen realen Beitrag zur Erreichung von übergeordneten Marketingzielen liefern. Wir sind überzeugt, dass diese Art der Werbekampagnenumsetzung die Zukunft ist. Deswegen haben wir uns mit esome vom Social Advertising Experten zum Media Outcome Manager entwickelt und dies in einem neuen Logo, einem neuen Brand Design und neuen Markenbotschaften abgebildet. Der Weg dahin war aufregend, manchmal holprig, mit einigen Sackgassen und Umwegen, doch am Ende haben wir ein Design geschaffen, dass den wichtigen Dingen Raum gibt und reflektiert, was sich während unserer bisherigen Reise nie geändert hat: Wir sind Berater, die Werbetreibenden und Agenturen das Leben vereinfachen, egal wie komplex die Welt ist, in der sie oder wir operieren.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Hier kann ich nur Vermutungen anstellen: Ich glaube, dass die Fähigkeiten, die in der Tech- Branche benötigt werden, eher mit männlichen Attributen assoziiert werden als mit weiblichen. In der Regel gelten Frauen als kreativ und personen-orientiert, während Männern eher Sachlichkeit und Logik zugeschrieben wird. Aufgrund dieser Einordnung kann es sein, dass Frauen Ausbildungen und Berufe im Tech-Bereich gar nicht erst für sich in Betracht ziehen. An eine Art strukturelle Diskriminierung glaube ich nicht. Die naheliegendsten Erklärungen für ein unausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Tech-Berufen liegen für mich in der Sozialisierung und der Möglichkeit, das Tech-Berufe Frauen eventuell einfach nicht so sehr liegen oder Spaß machen. Es gibt einige Bereiche, in denen umgekehrt deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten – das ist sicher zum Teil durch Sozialisierung verursacht und somit auch veränderbar, aber dass Frauen und Männer unterschiedliche Interessen und Affinitäten haben, lässt sich eben nicht ganz von der Hand weisen.

Wenn ich Klischees oder Stereotypen in Bezug auf Women in Tech begegne, erwecken sie meist den Eindruck, dass diese Frauen von der weiblichen Norm abweichen. Dies halte ich nicht nur in Bezug auf Women in Tech für äußerst kritisch: Der menschliche Geist ist darauf gepolt, Muster zu erkennen und er braucht Konstrukte, wie etwa gedankliche Schubladen, in die er Personen stecken kann, um Informationen effizient verarbeiten zu können. Diese natürlichen Abläufe führen dazu, dass willkürliche, implizite Normen entstehen und Menschen anhand dieser Normen bewertet werden. Ich bin der Überzeugung, dass es unsere Verantwortung ist, diese Abläufe unseres Geistes so oft wie möglich auszuhebeln, denn sie sind der Grundstein für Vorurteile, Missverständnisse, Verurteilungen, Missgunst und vieles mehr. So sehr es hilft, unser Gegenüber schnell einschätzen und einordnen zu können, verhindern diese Automatismen doch oft, dass man sich mit dem Individuum unvoreingenommen auseinandersetzt.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass durch eine größere Diversität in einem Arbeitsumfeld vielfältigere, kreativere und ausgereiftere Lösungen entstehen, weil viele unterschiedliche
Perspektiven betrachtet und unterschiedliche Herangehensweisen ausprobiert werden und die Reibung, die durch Unterschiede entsteht, bessere Ergebnisse hervorbringen. Eine größere Diversität anzustreben ist also wirtschaftlich gesehen von Vorteil und kann beispielsweise durch einen größeren Frauenanteil gefördert werden. Vorteile durch einen größeren Frauenanteil sind außerdem dann zu erwarten, wenn Frauen Dinge strukturell besser können als Männer. Das ist zum Beispiel in der Regel bei emotionalen Themen der Fall und kann, wie wir am Beispiel Brené Brown sehen können, unter anderem in den Bereichen Kreativität und Innovationskraft vorteilhaft sein. Frauen könnten es schaffen, die Wichtigkeit von Gefühlen im beruflichen Kontext mehr hervorzuheben, denn dass Gefühle auch unser berufliches Leben beeinflussen und steuern, wird immer deutlicher.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich finde die Diversity-Debatte wichtig, weil sie uns zeigen kann, dass in den Unterschieden, die uns prägen, viel Potential liegt und sie uns wirklich bereichern können. Ich hoffe, die Debatte um die Vorteile von Diversität und die Debatte um die Eliminierung von Vorurteilen hört nie auf, aber die Debatte über Diversität um jeden Preis brauche ich nicht. Diversität um ihrer selbst willen künstlich zu schaffen oder zu erzwingen, halte ich für nicht zielführend. Nehmen wir das Beispiel Frauenquote für Aufsichtsräte: Ich finde einen Aufsichtsrat bestehend aus fähigen und willigen Personen erstrebenswerter als einen Aufsichtsrat aus Personen, die aufgrund von Quoten oder auch aufgrund von Beziehungen oder Politik Mitglied sind. Ich verstehe die gute Absicht hinter dem Ansatz, sehe eine Frauenquote aber insofern kritisch, als dass die große Gefahr besteht, dass die Leistung einer „Quotenfrau“ nie wirklich anerkannt werden kann, weil vermeintlich allein die Quote sie zum Mitglied der Gruppe gemacht hat und sie somit nicht als leistungsfähiger Teil der Gruppe wahrgenommen wird. Ich wünsche mir eine Welt, in der Gruppen und Systeme aus Personen entstehen, die aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeit in diese Gruppe oder dieses System gehören und darin aufgenommen werden.

Tipps & Tricks

Ich habe für mich nie einen technischen Beruf in Betracht gezogen, weil ich technische Berufe nicht mit Kreativität assoziiert habe und Kreativität immer Bestandteil meines Berufslebens
sein sollte. Mittlerweile habe ich gelernt, dass man hier mehr Kreativität findet, als man zunächst vermuten würde und würde heute vielleicht eine andere Entscheidung treffen. Mein Rat lautet also: Seid immer neugierig und hört nie auf zu lernen, denn sonst verpasst ihr die Chance, euer Herz an etwas zu verlieren, was es erfüllen könnte.


Das gesamte Interview gibt es hier.

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